Beim diesjährigen Women Redefining Wealth‑Event anlässlich des Weltfrauentages moderiert von Amira Awad stellte DORDA das Thema „Frauen, Vermögen & Verantwortung“ in den Mittelpunkt und eröffnete den Nachmittag mit einer kraftvollen Keynote vor über 100 geladenen Frauen aus Wirtschaft, Recht, Politik, Wissenschaft und Medien.
KEYNOTE – „Geld & Macht“
Die gemeinsame Keynote von Francine Brogyányi, Managing Partnerin bei DORDA, sowie Sabine Gromer, Leadership‑Expertin und Gründerin von MagnoliaTree, setzte ein unüberhörbares Ausrufezeichen gleich zu Beginn des Women Redefining Wealth 2026-Events. Brogyányi zeigte, dass Frauen längst über massiven Einfluss verfügen: Sie stellen 51 % der Bevölkerung, treffen 80 % aller Kaufentscheidungen und werden bis 2030 fast 45 % des Vermögens in Europa und den USA halten – der größte Vermögenstransfer der Geschichte. Doch trotz dieser Zahlen mangelt es an Durchsetzungsfähigkeit. Denn die Rahmenbedingungen stagnieren oder verschlechtern sich sogar: 18 % Gender Pay Gap, 40 % Gender Pension Gap, 51 % Teilzeitquote, internationale Rückschritte bei Frauenrechten in fast jedem vierten Land. Macht fällt Frauen nicht zu. Macht ergreift man– und zwar jetzt.
Sabine Gromer öffnete daraufhin den Blick auf die Finanzseite weiblicher Handlungsmacht. Sie stellte die Frage, wem die gesellschaftlichen Tabus rund um Geld wirklich dienen – und präsentierte eindrucksvolle Fakten: Weltweit verfügen Männer über 105 Billionen Dollar mehr Vermögen als Frauen; Frauen leisten jährlich 10,8 Billionen Dollar unbezahlte Care‑Arbeit; und während Bargeld nur rund 7,9 Mrd. USD ausmacht, dominieren spekulative Finanzinstrumente mit 864 Billionen USD das globale System. Wer über Geld nicht spricht, gibt Macht ab. Gromer plädierte dafür, dass Frauen aktive Gestalterinnen ihres Vermögens werden – durch Finanzbildung, bewusstes Investieren, klare Verhandlungen und gezielten Vermögensaufbau. Beide Rednerinnen machten deutlich: Geld und Macht sind zwei Seiten derselben Gleichstellung – und 2026 ist das Jahr, in dem Frauen beides selbstbewusst einfordern müssen.
Key Takeaways
- Francine Brogyányi: „Grab a chair and come to the table – Macht ist geil!“
- Sabine Gromer: „Bis 67 sollte jede Frau etwa das Zehnfache ihres letzten Jahreseinkommens angespart haben – finanzielle Gestaltungskraft beginnt heute.“
Nach der starken Eröffnung durch Francine Brogyányi und Sabine Gromer richtete sich der Blick im ersten Panel darauf, wie Frauen nicht nur Vermögen, sondern auch Unternehmensgeschichte prägen und welche Rolle Mut, Klarheit und familiäre Dynamiken dabei spielen.
PANEL 1 – Legacy Redefined: Frauen prägen Nachfolge in Familienunternehmen
Zusammenfassung
Im ersten Panel wurde eindrucksvoll sichtbar, wie komplex und emotional herausfordernd die Nachfolge in Familienunternehmen ist. Gertrude Schatzdorfer, ausgebildete Kindergartenpädagogin und langjährige geschäftsführende Gesellschafterin der Schatzdorfer Gerätebau GmbH & Co KG in Zipf (OÖ), schilderte ihren Weg: den ungefragten Einstieg in den elterlichen Metalltechnikbetrieb in einer familiären Krisensituation, die Aufgabe ihres beruflichen Lebenstraums und den langen Prozess, in einer männerdominierten Branche ihren eigenen Führungsstil zu finden. Heute hat sie die operative Leitung an ihre Tochter Marlene übergeben, bleibt aber als prägende Unternehmerpersönlichkeit aktiv. Ihr Appell: Aufstehen, laut sein, beharrlich bleiben – und die eigenen Werte nicht aufgeben.
Nina Katzbeck, HR‑Expertin, Eigentümer von Katzbeck Consulting und ehemalige Führungskraft im traditionsreichen Familienunternehmen Katzbeck – einem der führenden österreichischen Fenster‑ und Türenhersteller im Südburgenland – brachte eine zweite Perspektive ein: jene der nächsten Generation. Sie war selbst viele Jahre in der Unternehmensgruppe Katzbeck tätig, bevor sie sich als Coach und Beraterin selbstständig machte. Frauen, so Katzbeck, hinterfragen in Nachfolgesituationen stets zuerst ihre Qualifikationen, während Männer selbstverständlich zugreifen. Erfolgreiche Übergaben brauchen Klarheit, Reflexion, offene Kommunikation und einen klar ausgestalteten Rollenrahmen.
Aus juristischer Sicht zeigte Katharina Binder, Co‑Head der Private Wealth Gruppe bei DORDA, dass die größten Stolpersteine selten rechtlicher Natur sind. Unausgesprochene Erwartungen, alte Verletzungen, Geschwisterdynamiken und die Schwierigkeit der älteren Generation, Kontrolle loszulassen, prägen nahezu jeden Übergabeprozess. Erst wenn diese emotionalen Themen adressiert sind, können rechtliche Instrumente – Familienverfassung, Governance‑Regeln, Eigentümerrollen – ihre Wirkung entfalten. Gute Nachfolge ist daher weniger ein Vertrag als ein Dialog, der moderiert, strukturiert und über Jahre begleitet werden muss.
Gemeinsam machten die drei Panelistinnen deutlich: Nachfolge gelingt nur, wenn Mut, Struktur und ehrliche Gespräche zusammenkommen und alle Beteiligten bereit sind, in neue Rollen hineinzuwachsen.
Key Takeaway
Erfolgreiche Nachfolge entsteht nicht durch Verträge, sondern durch Klarheit, Kommunikation und den Mut, Verantwortung wirklich zu übergeben und anzunehmen.
Während Panel 1 die Dimension „Legacy“ beleuchtete, widmete sich Panel 2 der Frage, wie finanzielle Entscheidungen heute getroffen werden und wie Frauen durch bewusstes Investieren eine neue Finanzkultur formen.
PANEL 2 – Investing Redefined: Frauen gestalten Finanzkultur neu
Zusammenfassung
Im zweiten Panel, stand die Frage im Zentrum, wie Frauen heute investieren – und warum sie die Finanzkultur der Zukunft prägen werden.
Christiane Holzinger, Steuerberaterin, Unternehmerin und Autorin von „Finanz Power für Frauen“, beschrieb eindrücklich, wie sehr finanzielles Handeln auch von Mindset, Sozialisation und Mut abhängt. Frauen verfügen über Wissen, besuchen Weiterbildungen und sind hervorragend qualifiziert, scheitern aber oft am entscheidenden Schritt: der Umsetzung. Holzinger plädierte für mehr Entscheidungskraft, mehr Sichtbarkeit finanzieller Erfolge und für ein neues Selbstverständnis: Geld als Werkzeug für Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.
Lisa‑Marie Fassl, Co-Gründerin des Venture‑Capital‑Fonds Fund F, der ausschließlich in Start‑ups mit mindestens einer Frau im Gründungsteam investiert, zeigte, wie männlich dominiert die Frühphasenfinanzierung noch immer ist und warum weibliche Perspektiven Innovation entscheidend voranbringen. Beispiele wie ein Brustkrebs‑Früherkennungstest, der von männlichen Investoren jahrelang als irrelevant abgetan wurde, machten deutlich: Frauen investieren anders, sehen andere Probleme und treffen Entscheidungen, die ganze Märkte verändern können.
Brigitte Fleischmann, Senior‑Wealth‑Advisor im Bankhaus Spängler, gab Einblicke in die Praxis der Vermögensberatung. Sie beobachtet einen klaren Wandel: Frauen delegieren ihre Finanzentscheidungen immer weniger, wollen verstehen, mitgestalten und langfristige Strategien entwickeln, die zu ihren Werten passen. Beratungsgespräche mit Frauen seien tiefgründiger, strategischer und stärker auf Lebensrealitäten ausgerichtet. Nachhaltigkeit spiele dabei nicht als moralische Frage, sondern als Risikomanagement und Investitionslogik eine zunehmende Rolle.
Gemeinsam machten die Panelistinnen deutlich, dass Frauen nicht nur anders investieren – sie investieren smarter, nachhaltiger und mit größerer Zukunftsorientierung – wenn sie den Zugang bekommen, die Netzwerke haben und sich Raum nehmen, um Entscheidungen zu treffen.
Key Takeaway – Panel 2
Frauen investieren nicht vorsichtiger, sondern bewusster und je stärker sie Finanzentscheidungen selbst in die Hand nehmen, desto mehr verändern sie Märkte, Machtstrukturen und die Finanzkultur von morgen.
Nach dem Fokus auf Vermögensaufbau und Investition rückte Panel 3 schließlich jene Ebene in den Mittelpunkt, die alle Faktoren verbindet: Verantwortung, Haltung und die Frage, welchen gesellschaftlichen Impact Wohlstand entfalten kann.
PANEL 3 – Responsibility Redefined: Frauen verbinden Wohlstand mit Haltung
Zusammenfassung
Im dritten Panel zeigte sich eindrucksvoll, wie Frauen Verantwortung neu definieren, wenn es um Vermögen, gesellschaftliche Wirkung und Leadership geht. Silvia Bruni, Geschäftsführerin des Sozialprojekts CAPE 10 und eine der sichtbarsten Stimmen für Chancengerechtigkeit in Wien, beschrieb Wirkung als „ultimative Macht“: die Möglichkeit, ein Menschenleben zum Besseren zu verändern. Sie betonte, dass gesellschaftliches Engagement Mut, Empathie und Vulnerabilität erfordert. Qualitäten, die Frauen oft stärker zulassen und die ihre Art zu führen prägen. Bruni zeigte aber auch die Realität: In Sponsoring‑ und Finanzierungsgesprächen sitzt sie zu 95 % Männern gegenüber, während Frauen als Spenderinnen wirkungsorientierter, prüfender und langfristiger denken.
Annunziata Magis, langjährige Sozialexpertin, Mitgestalterin der Zweiten Sparkasse und heute verantwortlich für Expansion und Finanzbildungsprogramme im FLiP Science Center, gab Einblicke in die strukturelle Seite von Verantwortung. Die Zweite Sparkasse wurde gegründet, weil überschuldete Menschen kein Konto mehr erhielten – ein Systemversagen, auf das die Zivilgesellschaft reagierte. Magis schilderte, wie frühe Finanzbildung funktioniert, warum Selbstvertrauen wichtiger ist als Fachwissen und wie Frauen in Community‑Leader‑Programmen lernen, finanzielle Selbstbestimmung weiterzugeben. Verantwortung, so Magis, entsteht dort, wo Menschen spüren, dass sie handeln können – egal, ob im Klassenraum, in der Schuldenprävention oder im Kleinen innerhalb der eigenen Familie.
Marina Spitzy, internationale Expertin für Family Governance und Co‑Autorin der globalen Studie „Women in Power“, brachte die Perspektive vermögender Frauen und Next‑Gen‑Führungskräfte ein. Ihre Befunde sind eindeutig: Frauen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Doch nur 17 % wussten vorab, dass sie eine Führungsrolle erben würden; nur 9 % hatten einen geplanten Nachfolgeprozess. Die Mehrheit landete völlig unerwartet in Leitungsfunktionen, oft ohne Klarheit über Rolle, Autorität und Entscheidungsbefugnisse. Das System, so Spitzy, bereitet Frauen nicht vor. Deshalb müssen Frauen selbstbewusst Fragen stellen, Grenzen definieren und Rollen aktiv gestalten. Werte werden nicht durch Strukturen weitergegeben, sondern durch gelebte Beziehungen, authentische Vorbilder und die Erlaubnis, Verantwortung auf eigene Art auszufüllen.
Gemeinsam zeigten die Panelistinnen: Verantwortung ist kein Status, sondern ein aktiver Gestaltungsraum und Frauen erweitern ihn, indem sie Empathie, Wirkung, Werte und persönliches Engagement zusammenbringen.
Key Takeaway – Panel 3
Verantwortung entsteht dort, wo Frauen Macht als Wirkung verstehen: empathisch, wertgeleitet, konsequent.
FAZIT
Der Nachmittag hat gezeigt: Wenn Frauen Geld, Macht und Verantwortung neu definieren, entstehen Räume, die wirtschaftliche Weitsicht mit gesellschaftlicher Wirkung verbinden. Die Diskussionen und Perspektiven dieses Tages machen klar, dass Transformation dort beginnt, wo Frauen ihre Stimme nutzen, Entscheidungen treffen und Wirkung bewusst gestalten. Genau so entsteht die Zukunft – nicht morgen, sondern bereits jetzt.