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Wenn der Kollege zum Verbrecher wird

publiziert: 
Der Standard, 2008
Datum: 
30. Januar 2008

Wenn der Kollege zum Verbrecher wird

Wirtschaftskriminalität gibt es nicht nur in französischen Banken, die Dunkelziffer ist hoch. Für Manager ist es wesentlich, vorbeugende Maßnahmen zu setzen und im Notfall überlegt zu reagieren.

So mancher, der die Ereignisse in der Finanzwelt verfolgt, fragt sich vielleicht, ob in jedem Unternehmen Fälle von Wirtschaftskriminalität mit teils massiven Verlusten vorkommen. In den Medien wird dabei immer öfter nicht Diebstahl, sondern das wohl häufigste "White Collar Crime", Untreue, genannt.
Untreue ist der wissentliche Missbrauch einer eingeräumten Befugnis, wobei ein Schadenseintritt zumindest in Kauf genommen - aber nicht unbedingt beabsichtigt - wird. Für den Obersten Gerichtshof liegt ein Befugnismissbrauch schon im Verstoß gegen die Grundsätze redlicher und verantwortungsbewusster, an den Interessen des Machthabers orientierter Geschäftsführung. Somit ist jeder Manager in Gefahr, Untreue zu begehen, wenn er beim Abschluss eines - durchaus auch im Interesse des Unternehmens gelegenen - Geschäfts wissentlich eine interne Regelung verletzt und ihm bewusst ist, dass dieses Geschäft (wie jedes andere) schlecht ausgehen kann.

Vorbeugung

So wichtig das Vertrauen in die Gesetzestreue und Loyalität der Mitarbeiter auch ist, gibt es doch einige Maßnahmen, die Manager zur Vermeidung von Wirtschaftskriminalität setzen können:

Aufgabenbeschreibung: Aufgaben und Zuständigkeiten für jede Position in einem Unternehmen müssen so formuliert sein, dass jeder Angestellte genau weiß, was er tun soll und darf.

Pouvoir-Ordnung: Wichtig sind eindeutige Regeln darüber, welche monetären Entscheidungen welcher Mitarbeiter alleine, mit Zustimmung seines Vorgesetzten oder mit Zustimmung einer dritten Ebene treffen darf. Je einfacher (möglichst wenige Ebenen) und besser kommuniziert diese Richtlinien sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich alle Mitarbeiter daran halten. Es sollte daher vermieden werden, dass Zustimmungen von mehreren Ebenen für geringfügige Entscheidungen notwendig sind; ebenso ist sicherzustellen, dass die Entscheidung rasch genug für den Geschäftsablauf erfolgt.

Dokumentation von Entscheidungsgrundlagen: Trotz aller Vorsicht werden falsche Entscheidungen getroffen. Man sollte daher sicherstellen, dass man auch Jahre – im Bawag-Prozess zehn Jahre – später noch erklären kann, warum man ausgerechnet Entscheidungsalternative C, und nicht die Varianten A oder B, gewählt hat. Wer auf ein einfaches Blatt in Stichworten die Gründe für die Verneinung der Varianten A und B aufgeschrieben und dieses Blatt aufgehoben hat, minimiert die Gefahr einer strafrechtlichen Verfolgung. Ist diese Entscheidung dagegen nicht mehr logisch nachvollziehbar, steigt das Risiko exponentiell.

Versichern: Grundsätzlich sind Strafen nicht versicherbar. (Straf-)Rechtsschutz ist aber - insbesondere bei monatelangen, sehr teuren Verfahren – alleine oder zusammen mit einer Directors-and-Officers-Versicherung (D&O) - sinnvoll und empfehlenswert.

Krisenmanagement

Tritt dennoch ein Fall von vermuteter Wirtschaftskriminalität in Ihrem Unternehmen auf, gilt es – und das ist die wichtigste Handlungsanleitung – vorerst Ruhe zu bewahren. Laut Marktgerüchten hat etwa Société Générale alle durch ihren unter Verdacht stehenden Händler gekauften Finanzderivate kurzfristig verkauft und dadurch den eigenen Schaden verdreifacht – ein Beispiel, wie man es nicht machen soll. Vielmehr sollte man kurz, aber reiflich über folgende Punkte nachdenken:

Information: Börsennotierte Unternehmen sind verpflichtet, so rasch wie möglich Ad-hoc-Mitteilungen zu veröffentlichen. Unabhängig davon heizen Fälle von Wirtschaftskriminalität erfahrungsgemäß die Gerüchteküche an. Ganz wesentlich ist daher im Krisenfall die richtige und vollständige unternehmensinterne und externe Information.

Sachverhaltsaufklärung und Anzeige: Trotz so manch negativer Folgen einer umfassenden Untersuchung der Staatsanwaltschaft, die in der Folge das Verfahren leitet, ist es für die Aufrechterhaltung der Glaubwürdigkeit des geschädigten Unternehmens erforderlich, auch ein strafrechtliches Verfahren gegen die verdächtigen Mitarbeiter einzuleiten. Damit wird den Stakeholdern – Aktionären, Mitarbeitern, Kunden und der Öffentlichkeit - gezeigt, dass es sich um eine verfolgenswerte Ausnahmesituation und nicht um den Regelfall handelt.

Ursachenforschung: Neben dem "Warum" interessiert vor allem auch das "Wie", weil sich mit der Kenntnis der Hintergründe und des Modus operandi ähnliche Fälle leichter verhindern lassen.

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