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Vorsicht bei Veröffentlichung von Event-Fotos

publiziert: 
PRVAnews, 2008
Datum: 
1. Juli 2008

Sie sind ein wichtiges Tool für die erfolgreiche Nachbearbeitung von Veranstaltungen und gleichzeitig eine wichtige Referenz für Folgeveranstaltungen: Fotos von feiernden – mehr oder weniger prominenten – Personen, die medienwirksam auf der Homepage des Veranstalters oder aber in einem anderen Medium (Zeitungen, Magazine) veröffentlicht werden. Doch Vorsicht: Nicht immer ist die Veröffentlichung dieser Lichtbilder erlaubt!

Bildnisschutz

§ 78 Urheberrechtsgesetz ("UrhG") legt mit dem "Recht am eigenen Bild" einen Schutz der Persönlichkeit fest: Die Veröffentlichung von Personenfotos ist unzulässig, wenn dies berechtigte Interessen der/des Abgebildeten verletzt und kein überwiegendes Veröffentlichungsinteresse besteht. Daher dürfen Personenbilder – so keine ausdrückliche Zustimmung vorliegt – grundsätzlich nur eingeschränkt verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.

Ob in berechtigte Interessen von Abgebildeten eingegriffen wird, ist meist strittig und muss im Einzelfall entschieden werden. Liegt eine unzulässige Veröffentlichung vor, hat die betroffene Person Anspruch auf Unterlassung und Beseitigung sowie auf (teure) Urteilsveröffentlichung und Schadenersatz.

Eingriff in berechtigte Interessen

Berechtigte Interessen von Abgebildeten werden dann verletzt, wenn ein Bild entwürdigend, herabsetzend oder entstellend wirkt. Das trifft etwa zu, wenn jemand ohne sein Wissen und seinen Willen in einer "peinlichen" Situation gezeigt wird. Auch die Verbreitung von Bildern, die die Privat- und Intimsphäre des Abgebildeten eingreifen oder ihn der Neugierde und Sensationslust der Öffentlichkeit preisgeben, sind unzulässig.

Ob eine Situation im Einzelfall peinlich ist bzw. die Privat- und Intimsphäre betrifft, ist objektiv freilich oft schwer zu bestimmen und hängt auch vom jeweiligen Betrachtungswinkel bzw. der konkreten Situation ab: So wird für einen hohen Bankangestellten ein Foto, dass ihn bei einer Gala in inniger Umarmung mit einer unbekannten Frau oder in betrunkenem Zustand zeigt, einen stärkeren Eingriff darstellen als für einen unbekannten Studenten bei einem Fest in einer Studentenbude. Fotos im Zusammenhang mit Alkoholbeeinträchtigung und in intimem Umfeld können aber generell und unabhängig vom Abgebildeten sehr kritische Folgen haben. Im Zweifel sollte man daher zu neutralen Fotos greifen.

Die rein subjektiven Interessen der Abgebildeten sind aber nicht die einzigen Kriterien für die Beurteilung geschützter Interessen: Fotografiert jemand für ein Stimmungsbild die Kärntner Straße, so sind zwangsläufig auch Passanten abgebildet. Ein solches Foto berechtigt den einzelnen Abgebildeten nicht automatisch zur Abwehr der Veröffentlichung, auch wenn er vielleicht – da er sich bei seinem Arbeitgeber krank gemeldet hat, um den Tag "blau" zu machen – subjektive Interessen hat. Das Foto an sich und der Konnex ist zulässig. Durch das Flanieren auf der Kärntner Straße hat sich der Abgebildete selbst der Öffentlichkeit ausgesetzt. Wenn keine weiteren Umstände hinzutreten, kann das Bild daher verwendet werden.

Weitere Umstände, die ein Foto unzulässig machen, können z.B. dann vorliegen, wenn der Fotograf extra vor einem Lokal lauert, in dem sich eine bestimmte geschlossene Gesellschaft trifft (Anonyme Alkoholiker, Diätgruppe oder Abtreibungsberatung). Versucht er nun, Personen beim Verlassen des Lokals bildlich einzufangen, ist das unzulässig, auch wenn er das Foto als "Straßenbild" tarnt.

Auch die Verwendung eines Personenbildes zu Werbezwecken ohne Zustimmung des Abgelichteten – beispielsweise für die mediale Bewerbung einer Folgeveranstaltung – kann gegen berechtigte Interessen des Abgebildeten verstoßen. Der Eindruck, die Person habe ihr Bild für Werbezwecke entgeltlich zur Verfügung gestellt, verstößt gegen berechtigte Interessen. Der Abgebildete muss selbst entscheiden können, ob und zu welchen Bedingungen er die Benützung seines Bildes erlaubt.

Freilich muss bei der Beurteilung eines Eingriffs in berechtigte Interessen auch ein möglicher Begleittext miteinbezogen werden. Auch ein an sich neutrales Foto kann durch einen abträglichen Kommentar oder einen anstößigen Begleittext, der die abgebildete Person in einen nicht den Tatsachen entsprechenden Zusammenhang stellt, einen Eingriff begründen.

Schutz der Persönlichkeit nach dem Mediengesetz

Auch das Mediengesetz bietet unfreiwillig in einem Medium – Internet, Zeitschriften, Zeitungen – Abgebildeten einen Schutz: Führt eine Veröffentlichung zu einem bloßstellenden Eingriff in den höchstpersönlichen Lebensbereich der Person, steht dem Abgebildeten ein Anspruch auf immateriellen Schadenersatz bis zu 20.000 Euro zu. Freilich ist auch hier der Begriff "höchstpersönlicher Lebensbereich" auslegungsbedürftig und Gegenstand von Einzelfallsentscheidungen. Gerade dieser Bereich unterliegt immer wieder Änderungen in der Rechtssprechung. Im Zweifel sollte man aber von der Veröffentlichung von Fotos, die sich auf die Intim- und Privatsphäre einer Person beziehen (Sexualleben, Gesundheitszustand u.a.) Abstand genommen werden.

Personen des öffentlichen Lebens ("Prominente")

Bei Fotos von Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und deren Aussehen daher allgemein bekannt ist (Politiker, Künstler, Schauspieler, Musiker etc.), wird der Maßstab für Eingriffe in berechtige Interessen bzw. den höchstpersönlichen Lebensbereich vom OGH niedriger angesetzt. Grundsätzlich werden ihre Interessen durch die Bildnisveröffentlichung daher in der Regel nicht beeinträchtigt. Aber auch sie sind nach der bisherigen Judikatur nicht vogelfrei: Auch bei Prominenten ist der höchstpersönliche Bereich geschützt. So darf z.B. ein Foto von einem Oben-ohne-Sonnenbad im eigenen Garten nicht veröffentlicht werden.

Neueste Rechtsentwicklung

Bislang haben sich die Gerichte bei der Beurteilung von Fotos im Öffentlichen Raum vor allem auf den Bildinhalt konzentriert. Damit konnte Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser mit seiner Klage gegen die Veröffentlichung des Kussfotos von ihm und Fiona Swarovski am Pariser Flughafen Erfolg haben. Zwar war das Foto im öffentlichen Raum geschossen worden und betraf Prominente, die Abbildung und Begleitberichterstattung hat aber ausschließlich den höchstpersönlichen Lebensbereich betroffen. Wer mit wem wo Zärtlichkeiten austauscht, ist grundsätzlich Privatsache.

Im Gegenzug dazu musste Natascha Kampusch die Veröffentlichung der Fotos, die sie mit einem jungen Mann in einer Wiener Diskothek zeigen, hinnehmen. Bei dieser Entscheidung wurde die Einlassung in die Öffentlichkeit stärker in den Vordergrund gestellt. Wer sich in eine Diskothek begibt, tut das zwar grundsätzlich privat. Die Diskothek selbst ist aber ein öffentlicher Raum, in dem Abbildungen grundsätzlich zulässig sind. Die Abbildung beim Tanzen ist nicht per se entwürdigend oder peinlich. Damit war es erlaubt, dieses Foto zu veröffentlichen.

Conclusio

Vor der Veröffentlichung von Fotos von Personen sollte nach Möglichkeit deren Zustimmung eingeholt werden. Ist das im konkreten Fall nicht machbar, so ist bei der Wahl des Motivs (Person und Situation) sowie der Begleittexte Vorsicht geboten. Fotos "prominenter" Personen bzw. Aufnahmen im öffentlichen Bereich sind grundsätzlich risikoärmer, aber auch hier gibt es Grenzen. Im Zweifel sollte daher die Wahl auf ein neutrales Foto fallen, denn ein Gerichtsverfahren erzeugt außer Kosten auch negative Publicity.

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