Zum Inhalt Zum Hauptmenü

Suchformular

Autor

Urlaubsverbrauch – wer entscheidet darüber?

publiziert: 
PRVAnews
Datum: 
15. Juni 2007

Österreichische Arbeitnehmer haben Anspruch auf mindestens fünf Wochen Urlaub pro Arbeitsjahr. Wann darf dieser Urlaub konsumiert werden? Muss man zu einem bestimmten Zeitpunkt auf Urlaub gehen? Diese und ähnliche Fragen können zu Konflikten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern und manchmal auch unter Kollegen führen.

Beim Thema Urlaubsverbrauch ist Einvernehmen unerlässlich: Der Arbeitgeber darf nicht einseitig anordnen, dass Urlaub zu einem bestimmten Zeitpunkt zu konsumieren ist; dies gilt auch nach einer Kündigung, und zwar unabhängig von der Dauer der Kündigungsfrist und dem Ausmaß des Resturlaubs. Umgekehrt berechtigt ein eigenmächtiger Urlaubsantritt den Arbeitgeber zur Entlassung.

Urlaubsvereinbarung

Der Zeitpunkt des Urlaubsantrittes und die Urlaubsdauer sind zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer konkret zu vereinbaren. Dabei sollte sowohl auf die Erfordernisse des Un-ternehmens als auch die Erholungsmöglichkeiten des Arbeitnehmers Rücksicht genommen werden. Die Urlaubsvereinbarung ist an keine besonderen Formvorschriften gebunden. Es empfiehlt sich aber, eine Urlaubsvereinbarung schriftlich zu dokumentieren, zumal das Schweigen des Arbeitgebers auf einen vom Arbeitnehmer geäußerten Urlaubswunsch unter Umständen als Zustimmung zum Urlaubsantritt gewertet werden kann. Kommt es zu keiner Einigung, so kann ein Arbeitnehmer den Urlaub zu dem von ihm gewünschten Zeitpunkt nur dann antreten, wenn

- er den gewünschten Urlaubszeitpunkt mindestens drei Monate vorher
bekannt gegeben hat und mindestens zwölf Werktage (also zwei
Wochen) auf einmal Urlaub nehmen will,
- und der Arbeitgeber nicht zeitgerecht (frühestens acht und
spätestens sechs Wochen vor dem Urlaubstermin) eine Klage gegen
den Urlaubsverbrauch beim Arbeits- und Sozialgericht eingebracht
hat.

Ein solches Gerichtsverfahren nimmt freilich mehrere Monate in Anspruch, sodass bis zum gewünschten Antrittszeitpunkt zumeist noch keine Entscheidung vorliegt. Der Dienstnehmer wird dann aber in der Regel nicht riskieren, den Urlaub eigenmächtig anzutreten.

Urlaubsanspruch

Wer ein neues Dienstverhältnis eingeht, hat im ersten halben Jahr Anspruch auf Urlaub im Verhältnis zur absolvierten Dienstzeit. Danach entsteht der Urlaubsanspruch in voller Höhe, nämlich fünf Wochen pro Arbeitsjahr. Nach dem 25. Dienstjahr erhöht sich dieser Anspruch auf sechs Wochen. Ab dem zweiten Dienstjahr entsteht der gesamte Urlaubsanspruch bereits zu Beginn des Arbeitsjahres.

Urlaubsablöse in Geld?

Urlaub kann grundsätzlich nicht in Geld abgelöst werden. Auch wenn mit dem Arbeitnehmer ein Verzicht auf den Jahresurlaub bei gleichzeitiger Ablöse in Geld ausdrücklich vereinbart wurde, sind solche Vereinbarungen rechtsunwirksam, da sie dem Urlaubszweck widersprechen. Geldansprüche entstehen lediglich dann, wenn das Dienstverhältnis beendet wurde, bevor der Arbeitnehmer den Urlaub konsumieren konnte. Bei Beendigung des Dienstverhältnisses wird der Urlaubsanspruch des laufenden Arbeitsjahres im Nachhinein aliquo-tiert, d.h. der Arbeitnehmer hat Anspruch auf finanzielle Ersatzleistung im Verhältnis zum gesamten Urlaubsjahr. Bereits verbrauchter Urlaub wird von diesem aliquoten Urlaubsanspruch abgezogen. Wurde bereits mehr als der aliquote Anspruch in natura konsumiert, so muss der Arbeitnehmer dafür keinen Ausgleich leisten.

Kann Urlaub verjähren?

Der Anspruch auf Urlaub verjährt grundsätzlich zwei Jahre nach Ende jenes Arbeitsjahres, in dem der Urlaubsanspruch entstanden ist. Allerdings wird der aktuell angetretene Urlaub immer auf den ältesten Resturlaub angerechnet bzw. von diesem abgezogen. Eine Verjährung tritt daher erst dann ein, wenn drei Jahre lang überhaupt kein Urlaub verbraucht wurde.

Disclaimer

Alle Angaben auf dieser Website dienen nur der Erstinformation und können keine rechtliche oder sonstige Beratung sein oder ersetzen. Daher übernehmen wir keine Haftung für allfälligen Schadenersatz.

The material contained in this website is provided for general information purposes only and does not constitute legal or other professional advice. We accept no responsibility for loss which may arise from reliance on information contained on this site.



© 2020 · DORDA · Facebookinstagramlinkedin  PODCAST

wirschaffenklarheit