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Rückkaufswerte in der Lebensversicherung

publiziert: 
DBJ-Newsletter, 2006
Datum: 
1. Juli 2006
Neuerungen durch das VersRÄG 2006

Lebensversicherungen werden immer beliebter, vor allem wenn sie der privaten Pensionsvorsorge dienen sollen. Allerdings wissen Versicherungsnehmer (VN) meist nicht, dass dabei verhältnismäßig hohe Abschlusskosten (Provisionen für den Versicherungsvermittler, Antragsbearbeitung etc.) anfallen, die vom Versicherer in die Prämie einkalkuliert werden.

Hohe Abschlusskosten

Wie hoch die Abschlusskosten tatsächlich sind, erfährt der VN oft erst, wenn er sein Recht, das Versicherungsverhältnis vorzeitig zu kündigen, ausübt. Er hat dann zwar Anspruch auf die Leistung des Rückkaufwertes, der jedoch nach den Regeln der Versicherungsmathematik als Zeitwert der Versicherung berechnet wird. Das kann zu unliebsamen Überraschungen führen: So hatte etwa ein deutscher VN 16 Monatsprämien mit einem Gesamtbetrag von mehr als 2.000 Euro bezahlt. Nach einer Umwandlung in eine prämienfreie Versicherung und darauf folgender Kündigung bekam er lediglich den Zeitwert der Versicherung in Höhe von rund 240 Euro zurückerstattet. Dies erschien auch dem österreichischen Gesetzgeber unbillig und war schließlich Anlass für das Versicherungsrechts-Änderungsgesetz (VersRÄG 2006).

Neuregelung des Rückkaufwertes

Bei der Neuregelung des Rückkaufwertes in der Lebensversicherung hatte der Gesetzgeber drei Interessensgruppen zu berücksichtigen:

• VN, die den Versicherungsvertrag bis zum Ende durchführen und daher ein Interesse an einer möglichst kurzfristigen Belastung durch Abschlusskosten haben,

• VN, die den Versicherungsvertrag vorzeitig kündigen (nach Schätzungen sind dies rund 50 % der VN) und daher ein Interesse an der möglichst langfristigen Verteilung der Abschlusskosten haben, und

• Versicherer, die ihre Finanzierungskosten gering halten und Abschlusskosten daher möglichst rasch bezahlen wollen.

Für diesen Interessenskonflikt fand der Gesetzgeber folgende Lösung: Die Abschlusskosten einer Lebensversicherung sollen dem VN künftig rechnerisch auf einen Zeitraum von fünf Jahren (oder einer kürzeren, vereinbarten Vertragslaufzeit) verteilt angelastet werden. Wird nun etwa eine auf 20 Jahre abgeschlossene Lebensversicherung nach einer tatsächlichen Laufzeit (nicht Prämienzahlungsdauer) von zwei Jahren gekündigt, dann werden beim Rückkaufswert nur zwei Fünftel der einmaligen Abschlusskosten berücksichtigt. Wenn dagegen ein auf vier Jahre abgeschlossener Vertrag schon nach zwei Jahren beendet wird, wird die Hälfte der Abschlusskosten abgezogen. Erst wenn eine Lebensversicherung eine Laufzeit von mehr als fünf Jahren hatte, sind bei vorzeitiger Kündigung – wie bisher – die vollen Abschlusskosten im Rückkaufswert zu berücksichtigen.

Die künftig reduzierten Abschlusskosten bei vorzeitiger Kündigung wirken sich direkt auf die Provision des Versicherungsvermittlers aus, der dadurch weniger verdient. Die neue Regelung ist überdies zwingend und kann nicht durch andere Vereinbarungen umgangen werden. Allerdings gilt sie erst für Versicherungsverträge, die nach dem 31.12.2006 geschlossen werden.

Weitere Neuerungen

Wer einen Versicherungsvertrag abgeschlossen hat, kann von diesem wie bisher binnen 30 Tagen zurücktreten. Neu ist, dass die Frist nicht mit „Zustandekommen des Vertrages“ sondern mit „Verständigung vom Zustandekommen des Vertrages“ beginnt. In der Praxis wird diese Frist damit wohl um einige Tage länger werden.

Außerdem sind Versicherungen künftig verpflichtet, die Grundzüge des Systems der Gewinnbeteiligung in „übersichtlicher und verständlicher Form“ zu erläutern – eine Herausforderung für den Vertragsverfasser. Und, wenn sich am Risiko eines Fonds etwas ändert, dann müssen die VN künftig zumindest in groben Zügen über das veränderte Risiko (hoch, mittel, niedrig) informiert werden.

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