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Autor

Ohne messbaren Erfolg kein Geld?

publiziert: 
PRVAnews, 2006
Datum: 
15. Juni 2006

Beratungsverträge und Erfolgsklauseln am Beispiel Guerilla-Marketing

Guerilla-Marketing ist eine neue, aggressive Maßnahme zur Bewerbung von Produkten. Im Mittelpunkt steht dabei der Versuch, mit beschränkten finanziellen Mitteln und aufsehenerregenden Aktionen - die oft an der Grenze des guten Geschmacks streifen - Produkte zu promoten. Selbst etablierte Unternehmen wie z.B. One oder Mobilkom nutzen diese Werbeform, um vor allem auch jüngere und urbane Zielgruppen anzusprechen.


Gibt es nun einen konkreten Bezug zwischen der Tätigkeit einer Guerilla-Marketing-Agentur und jener von “klassischen” PR-Beratern? Ja. Denn am 31.1.2006 erging ein Beschluss des OGH zu 1 Ob 224/05 f, der sich mit der Frage des Honoraranspruches einer Agentur für Guerilla-Marketingaktivitäten auseinandersetzt. Und bezüglich des Honoraranspruchs besteht kein Unterschied zwischen einem PR- und Marketing-Berater. Die wichtigsten Erkenntnisse dieser jüngsten und daher interessanten OGH-Entscheidung sind:

Geschuldeter Erfolg?

Die Gretchen-Frage bei Vereinbarungen eines Beraters ist stets, ob ein Werk- oder Dienstleistungsvertrag abgeschlossen wurde. Während bei ersterem grundsätzlich ein konkreter Erfolg geschuldet wird, ist bei einem Dienstleistungsvertrag lediglich die definierte Dienstleistung ohne Erfolgsgarantie zu erbringen. Die vorliegende Entscheidung stellt aber klar, dass auch bei einem Werkvertrag nicht immer ein quantifizierbarer Erfolg erbracht werden muss: Wird nämlich lediglich die Anwendung einer bestimmten Methode (hier: “Guerilla-Marketing") ohne Erfolgszusage vereinbart, ist das Werk lediglich so auszuführen, wie es der “Übung des redlichen Verkehrs” entspricht. Im Zweifel wird daher ein Werk durchschnittlicher Qualität entsprechend den aktuell fachspezifischen Erkenntnissen geschuldet. Mit anderen Worten: Erbringt der Berater seine Leistung dem üblichen Standard entsprechend, gebührt ihm das gesamte Entgelt auch dann, wenn z.B. das Medienecho oder die Dichte an Prominenz bei einer Veranstaltung nicht wie (insgeheim) erhofft ausfällt. Zu beachten ist aber, dass den Berater als Sachverständigen eine Warnpflicht trifft. Er hat den Kunden vorab zu informieren, wenn die vom Kunden gewählte Werbemethode für die Anforderungen gänzlich ungeeignet ist.


Beweislast bei mangelhafter Leistungserbringung

Im Streitfall hat grundsätzlich der Berater zu beweisen, dass er seine Leistungen in durchschnittlicher Qualität und den aktuellen fachspezifischen Erkenntnissen entsprechend erbracht hat. Allerdings muss der Kunde in einem etwaigen Verfahren über den ausstehenden Lohn zumindest behaupten, dass der Berater seiner Verpflichtung nicht ordnungsgemäß nachgekommen ist. Hier ist die Angabe von konkreten Gründen bzw. Fehlern durch den Beklagten erforderlich. Unterbleibt die Bestreitung, muss der Berater nicht vorab “ins Blaue” die ordnungsgemäße Leistungserbringung beweisen. Die Beweislast ist somit auf den Fall der substantiierten Bestreitung und den dabei angesprochenen Punkten beschränkt.

Leistungsaufzeichung bei Pauschalhonoraren?

Vereinbaren die Parteien einen erfolgsunabhängigen fixen Gesamtpreis, ohne dabei ein bestimmtes Ausmaß an Einzelleistungen bzw. den Umfang der geschuldeten Bemühungen festzulegen, liegt ein Pauschalpreis vor. Bei einer solchen Vereinbarung wird der Werklohn geschuldet, ohne dass seine Berechnung durch den Berater offengelegt werden muss. Der Berater ist daher nicht zur Aufschlüsselung seiner Rechnung nach einzelnen Positionen verpflichtet. Ein Leistungsnachweis entfällt damit in diesem Fall. Selbst wenn das Ergebnis der Zusammenarbeit daher (subjektiv) nicht befriedigend war, ist der Berater nicht verpflichtet, nachträglich eine Aufstellung über die Quantität der erbrachten Leistung zu erbringen. Dies würde nämlich der Vereinfachung der Abrechnung widersprechen, die mit der Pauschalvereinbarung beabsichtigt war.

Conclusio

Auch wenn sich die hier besprochene Entscheidung des OGH zu 1 Ob 224/05 f auf den Bereich Marketing bezieht, ist sie selbstverständlich auch auf die Frage anderer Kommunikationsberater zur geschuldeten Leistung und Honorierung anwendbar. Der wesentliche Punkt der Entscheidung ist, dass mangels Vereinbarung eines konkreten Erfolges lediglich die fachgerechte Abwicklung des Auftrages mit durchschnittlicher Fachkenntnis geschuldet ist. Kommt es schließlich aber zu Entgeltstreitigkeiten, muss der Berater den Beweis für die Qualität seiner Leistungen antreten. Dies freilich nur, wenn der vergrämte Kunde die Mangelhaftigkeit spezifiziert und im Entgeltprozess einwendet. Selbst in diesem Fall wird aber eine Pauschalpaket nicht wieder “aufgeschnürt”: Eine nachträgliche Aufschlüsselung der erbrachten Leistungen ist nicht erforderlich.

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