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Autor

Alternative Finanzierungsformen

publiziert: 
Die Wirtschaft
Datum: 
1. Januar 2002

Rechtsberatung bei der Unternehmensfinanzierung

Die österreichische Wirtschaftsanwaltskanzlei DORDA BRUGGER & JORDIS verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich der Unternehmensfinanzierungen.

Die traditionelle Form der Unternehmensfinanzierung über Kredite ist nicht für jedes Unternehmen geeignet. Zum einen verlangen Kreditinstitute in der Regel Sicherheiten, die insbesondere bei jungen Unternehmen nicht zur Verfügung stehen (für diese bieten sich allerdings verschiedene geförderte Kredite an). Weiters sind die Kreditzinsen unabhängig davon zu bezahlen, ob sich ein Unternehmenserfolg einstellt. Bankkredite sind Fremdkapital und belasten daher jedenfalls die Eigenkapitalquote. Hinzu kommt, dass nach dem jetzigen Stand die für 2005 erwarteten neuen Eigenkapitalvorschriften für Kreditinstitute (unter dem Schlagwort "Basel II" bekannt) eine Verteuerung der Kredite für Kreditnehmer mit höherem Kreditrisiko mit sich bringen werden. Es werden erwartete Zinsen-Mehrbelastungen von bis zu 25 % kolportiert (zB IM 9/2001, 60 ff). Dies trifft natürlich vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). Ein Börsegang zur Finanzierung bedarf einer entsprechenden Vorbereitung und auch einer "kritischen" Masse. Im Folgenden sollen daher einige zur Verfügung stehende alternative Finanzierungsmöglichkeiten mit ihren Vor- und Nachteilen dargestellt werden:

Übersicht Alternative Finanzierungsformen

· Venture Capital: Dabei beteiligt sich ein Venture Capital-Fonds in der Regel als GmbH-Gesellschafter oder Aktionär (also mit Eigenkapital) mit einer Minderheitsbeteiligung am Unternehmen. Diese Finanzierung kann auch durch Darlehen ergänzt werden. Die FGG stellt Unternehmen eine Garantie für einen Kredit in gleicher Höhe, wie das zugeführte Eigenkapital zur Verfügung. Die FGG übernimmt außerdem gegenüber Anlegern von Venture Capital-Fonds eine Beteiligungsgarantie zur Absicherung von 50% des eingezahlten Kapitals.

Vorteile: Keine laufenden Tilgungen. Ein erfahrener Venture Capitalist wird zudem das Unternehmen mit seinen Kontakten unterstützen und sorgt auch für eine laufende begleitende Kontrolle des Rechnungswesens (eine häufige Schwachstelle).

Nachteile: Für seinen Kapitaleinsatz fordert der Venture Capitalist natürlich wesentliche Mitspracherechte und eine weitestmögliche Sicherstellung der erwarteten Rendite (etwa über bevorzugte Möglichkeit zum Verkauf von Aktien bei einem Börsegang oder anderen Art der Veräußerung von Anteilen, bevorzugte Gewinnzuweisungen etc).

· Mezzaninfinanzierungen: Dabei handelt es sich um zwischen Eigen- und Fremdkapital angesiedelte Finanzierungsformen. Beispiele hiefür sind etwa (partiarische) nachrangige Darlehen oder Genussscheine. Auch im Bereich der Unternehmensförderung findet diese Finanzierungsform Anwendung: So wird im Rahmen des Seedfinancing-Programms der Wirtschaftskammer Unternehmen in der Gründungsphase Startkapital bis ATS 10 Mio in Form von Mezzaninkapital zur Verfügung gestellt.

Vorteile: Flexible Gestaltungsmöglichkeiten (zB auch gewinnabhängige statt fixer Verzinsung – sogenannte partiarische Darlehen). Aufgrund der Nachrangigkeit kann eine bei einem normalen Kredit drohende insolvenzrechtliche Überschuldung vermieden werden.

Nachteile: Der Geldgeber lässt sich das Risiko natürlich durch eine entsprechend höhere Verzinsung abgelten. Zudem gibt es für solche Finanzierungen, anders als für Kredite, nur wenige Anbieter.

· Unternehmensanleihe: Dabei emittiert das Unternehmen eine Anleihe und bietet diese im Rahmen eines "Private Placements" oder öffentlich am Kapitalmarkt an. Die Bürgesbank bietet hier sogenannte Gewinnwertpapiere an, bei denen die Unternehmensanleihen bis zu einem Betrag von ATS 275.206,-- und darüber zu 50 % besichert werden. Dadurch lassen sich leichter Anleger gewinnen.

Vorteile: Man ist nicht von einem Kreditinstitut abhängig und muss keine Sicherheiten anbieten. Grundsätzlich flexibel gestaltbar (ähnlich den erwähnten Darlehen).

Nachteile: Fremdkapital (auch wenn eine nachrangige Ausgestaltung denkbar wäre), es sind laufend Zinsen zu bezahlen. Bei einem öffentlichen Angebot am Kapitalmarkt entstehen zudem nicht unerhebliche Kosten wegen der Notwendigkeit zur Erstellung eines Prospekts und dessen Veröffentlichung.

· Wandelschuldverschreibungen: Dabei handelt es sich im weiteren Sinn um Anleihen, bei denen aber der Zeichner der Anleihe oder das Unternehmen ("Cash or Share-Anleihe") die Möglichkeit hat, unter zu definierenden Voraussetzungen die Anleihe in Aktien zu wandeln.

Vorteile: Flexible Gestaltungsmöglichkeiten. Gegenüber einer normalen Anleihe entfällt unter Umständen die Notwendigkeit zur Rückführung des eingezahlten Kapitals.

Nachteile: Nur bei AGs praktikabel. Wie bei der Anleihe ist ein öffentliches Angebot mit nicht unbeträchtlichen Kosten verbunden und daher nur bei relativ hohem Volumen interessant.

· Kommanditbeteiligungen/stille Beteiligungen: Kommanditbeteiligungen und atypisch stille Beteiligungen waren früher vor allem aus steuerlichen Gründen interessant ("Verlustbeteiligungsmodelle"). Dies wurde durch den Steuergesetzgeber weitgehend eingeschränkt. Der Kommanditist oder stille Gesellschafter leistet eine Einlage und erhält dafür einen entsprechenden Anteil am Gewinn und/oder Verlust. Darüber hinaus ist er (außer bei der typisch stillen Gesellschaft) in der Regel am Unternehmenswert beteiligt und erhält bei Beendigung seiner Gesellschafterstellung ein Abfindungsguthaben, das sich in der Regel am Unternehmenswert orientiert. Die Wirtschaftsförderung in Österreich bemüht sich um die kleinen und mittleren Unternehmen, indem sich verschiedene Institutionen an diesen beteiligen und dadurch deren Eigenkapitalbasis verbreitern (zB KABAG, Wiener Risikokapitalfond die sich als stille Gesellschafter beteiligen).

Vorteile: Keine Belastung durch fixe Zinsen- und Tilgungszahlungen. Auch der zurückzuzahlende Kapitalbetrag ist von der Entwicklung des Unternehmenswertes abhängig.

Nachteile: Auch hier ist bei einem öffentlichen Angebot, um eine entsprechende Anzahl von Anlegern ansprechen zu können, ein Kapitalmarktprospekt erforderlich. Aufgrund der damit und der Errichtung der KG oder der stillen Gesellschaft verbundenen Kosten ebenfalls nur bei höherem Volumen interessant. Die Abschichtung der Kommanditisten oder stillen Gesellschafter kann relativ kostspielig werden und zu Liquiditätsproblemen führen.

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