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Abschlussprüfer: Änderungen nahen

publiziert: 
Die Presse
Datum: 
5. Februar 2008

Schon ab Juni 2008 sollen neue Normen Bilanzskandale zu verhindern helfen.

Als Folge einiger Bilanzskandale und der Rolle der Abschlussprüfer in diesen Fällen wurden von der EU die Abschlussprüfungsrichtlinie und die Änderungsrichtlinie erlassen. So soll das Vertrauen in die Vorlage von Jahres- und Konzernabschlüssen wieder gestärkt werden. Diese beiden Richtlinien sollen mit dem Unternehmensrechts-Änderungsgesetz 2008 (URÄG 2008), das derzeit als Ministerialentwurf vorliegt, umgesetzt werden. Neben einigen anderen Änderungen, etwa für den Aufsichtsrat, bringt diese Novelle Neuerungen für Abschlussprüfer. Die meisten neuen Regelungen sollen auf Geschäftsjahre anzuwenden sein, die nach dem 31. Dezember 2008 beginnen. Teilweise sollen sie aber bereits ab 1. Juni 2008 Anwendung finden.

Mehr Verantwortung für Prüfer

Mit dem URÄG 2008 sollen die Pflichten des Abschlussprüfers klarer gefasst werden. So soll beispielsweise der Konzernabschlussprüfer bei der Prüfung eines Konzernabschlusses die volle Verantwortung für den Bestätigungsvermerk tragen. Bisher hat sich die Prüfpflicht nicht auf Jahresabschlüsse nach dem Unternehmensgesetzbuch und unter bestimmten Voraussetzungen auch nicht auf Jahresabschlüsse ausländischer Tochterunternehmen bezogen. Abschlussprüfer haben daher in Zukunft auch die im Konzernabschluss zusammengefassten Jahresabschlüsse daraufhin zu prüfen, ob sie den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung entsprechen und ob die für die Übernahme in den Konzernabschluss maßgeblichen Vorschriften beachtet wurden.

Das kann für einen Prüfer dann problematisch sein, wenn ein Tochterunternehmen nicht von ihm geprüft wurde. Werden daher in den Konzernabschluss einbezogene Unternehmen von anderen Abschlussprüfern geprüft, hat der Konzernabschlussprüfer nur deren Tätigkeit zu überwachen, soweit sie für die Prüfung des Konzernabschlusses maßgeblich ist.

Auch die Anforderungen an die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers sollen gestärkt werden. So darf der Abschlussprüfer bei einer Gefährdung der Unabhängigkeit oder Unbefangenheit ein Unternehmen nicht prüfen, außer er kann diese Gefährdung durch Schutzmaßnahmen ausreichend mindern. Eine solche Gefährdung der Unabhängigkeit oder Unbefangenheit liegt künftig aber nicht nur dann vor, wenn zwischen dem Abschlussprüfer selbst und der geprüften Gesellschaft eine wirtschaftliche oder sonstige Beziehung besteht, die seine Unabhängigkeit oder Unbefangenheit gefährdet. Sie liegt auch dann vor, wenn bei einem Mitglied des „Netzwerks“, dem der Prüfer angehört, diese Voraussetzungen vorliegen (siehe Info-Kasten). Dabei ist zum Beispiel auf gemeinsames Eigentum, gemeinsame Kontrolle oder gemeinsame Geschäftsführung, gemeinsame Nutzung einer Marke oder eine gemeinsame Geschäftsstrategie abzustellen. Eine schlichte Bürogemeinschaft wird demnach in der Regel nicht als Netzwerk gelten, sofern nicht weitere Umstände hinzutreten. Wird hingegen durch Verwendung einer gemeinsamen Marke und gemeinsamer Einrichtungen der Eindruck einer „one firm“ erweckt, wird von einem Netzwerk auszugehen sein.

Verpflichtende Abkühlungsphase

Einer der kritischen Punkte der Bilanzskandale war, dass Ex-Mitarbeiter der Prüfungsgesellschaft beim geprüften Unternehmen angestellt wurden und damit das Verhältnis zwischen Prüfer und Geprüftem zu eng wurde. Dem will die Abschlussprüfungsrichtlinie vorbeugen. Abschlussprüfer von Unternehmen von öffentlichem Interesse dürfen künftig zwei Jahre nach dem Ende ihrer Tätigkeit keine Organfunktion oder leitende Stellung in der geprüften Firma einnehmen („Cooling-off-Period“). So soll auch verhindert werden, dass „angenehme“ Prüfer von der Gesellschaft mit einer lukrativen Anstellung belohnt werden. „Unternehmen von öffentlichem Interesse“ sind solche, die kapitalmarktorientiert sind oder mehr als 73 Mio. Euro Bilanzsumme haben oder mehr als 146 Mio. Euro Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag erzielen. Bei anderen Betrieben kann zwar der Abschlussprüfer auch binnen zweier Jahre eine Organfunktion oder leitende Stellung einnehmen – aber nur mit Zustimmung des Aufsichtsrats.

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