Zum Inhalt Zum Hauptmenü

Suchformular

Neue Regeln für den letzten Weg des Autos

Autoren: Bernhard Müller, Lorenz Wicho
„Gestern hat mi‘s Glück verlassen, du liegst am Autofriedhof draußen. Dabei warst du doch immer ois für mi. I kann ma‘s wanen net verbeißen, wos warst du für a haßes Eisen Und überblieb‘n is nur a Havarie …“ In einem berühmt gewordenen Song beschreibt Liedermacher Rainhard Fendrich das geradezu zärtliche Verhältnis vieler Österreicher zu ihrem Auto, vor allem aber den Abschied davon. Die Entsorgung von Altautos ist innerhalb der EU einheitlich geregelt. Seit 2015 gibt es dafür neue Bestimmungen.

Jährlich fallen in Österreich rund 71.000 Pkw und leichte Nutzfahrzeuge als Altfahrzeuge an. Sie umweltgerecht zu entsorgen, ist nicht nur das mindeste, was man für das geliebte Vehikel tun kann; vielmehr stecken in einem Auto wertvolle Werkstoffe, die es im Zeitalter der Rohstoffknappheit zu recyceln gilt: Stahl, Kupfer, Leicht- und Edelmetalle, Glas, Reifen und Kunststoffe. Aber auch umweltgefährliche Stoffe wie Öle, Bremsflüssigkeiten, FCKW und Blei sind enthalten, die fachgerecht entsorgt werden müssen. Altfahrzeuge recyceln kann aber nicht jeder, weil es wichtig ist, dass das Fahrzeug umweltgerecht trockengelegt, demontiert und verwertet wird.

Neues zur Altfahrzeug-Verwertung
Die EU-Altfahrzeuge-Richtlinie, die in Österreich durch das Abfallwirtschaftsgesetz und die Altfahrzeuge-Verordnung umgesetzt wird, sorgt dafür, dass Altautos europaweit auf einheitliche Weise entsorgt werden.

Seit 2015 sind mindestens 95 % des Gewichts eines Altfahrzeugs zu verwerten und mindestens 85 % stofflich zu verwerten oder wiederzuverwenden. Dafür bedarf es einer flächendeckenden Infrastruktur zur Rücknahme der Altfahrzeuge und konkreter Umweltstandards zur umweltgerechten Behandlung und Entsorgung.

Ausfuhr von „Schrottautos“ unerwünscht
Trotzdem bestand in der Vergangenheit die unerwünschte Praxis, „Schrottautos“ als Gebrauchtfahrzeuge zu deklarieren und in Entwicklungsländer zu exportieren, um dort ein zweites Autoleben zu beginnen. Denn durch den Verkauf dieser als „Gebrauchtwagen“ deklarierten Fahrzeuge konnte Geld lukriert werden, eine ordnungsgemäße Entsorgung von Altfahrzeugen kostet hingegen Geld. Die Reinkarnation so mancher Schrottautos mag gemäß Rainhard Fendrich zwar ein letzter Trost für den ehemaligen Besitzer sein, liegt aber nicht im Interesse einer flächendeckenden, ressourcenschonenden und daher auch umweltfreundlichen Vorgangsweise, von der letztlich alle profitieren. Nicht zuletzt entsteht durch diesen Export auch ein volkswirtschaftlicher Schaden in Höhe von rund EUR 50 Mio. Denn es gehen der heimischen Wirtschaft die oben genannten Rohstoffe verloren, in weiterer Folge müssen diese teuer importiert werden.

Exportschranken für Altfahrzeuge
Es ist daher zu begrüßen, dass ein neuer Erlass des Lebensministeriums vom 1.4.2015 für Klarstellung sorgt und den Begriff „Altfahrzeug“ präzisiert, um der geschilderten Praxis einen Riegel vorzuschieben: Übersteigen die Reparaturkosten, um das Kfz in einen verkehrstauglichen Zustand zu versetzen, den Zeitwert in unverhältnismäßig hohem Ausmaß, so liegt ein „Altfahrzeug“ im Sinne der Altfahrzeuge- VO vor – und eben kein vermeintlicher „Gebrauchtwagen“. Ein einfaches Kriterium ist: Hat das Fahrzeug kein gültiges „Pickerl“ oder keine Bescheinigung eines Kfz-Sachverständigen, so ist es Abfall, dessen sich der Fahrzeughalter entledigen will (oder muss). Gemäß der Altfahrzeuge-VO ist das Fahrzeug dann im oben beschriebenen Ausmaß weitestgehend wiederzuverwerten. Stoffe, die nicht wiederverwertet werden können, sind fachgerecht zu entsorgen. Klargestellt wurde weiters, dass Kfz nur dann außer Landes gebracht werden dürfen, wenn die Nichtabfalleigenschaft nachgewiesen ist: Hierfür müssen Kfz noch in einem fahrtauglichen Zustand sein.

Dem Grundsatz weitestgehender Wiederverwertung entsprechend, sollten Altfahrzeuge aber nicht am Autofriedhof landen, weder in Österreich noch im Ausland, sondern lieber Bestandteil eines neuen Produkts werden.

Weitere Newsletter-Artikel:

Steuerreform 2015/16 – Überblick über wesentliche Änderungen
Steuerreform – Neuerungen für Immobilienbesitzer
Neues zur Haftung beim Asset-Deal
Bilanzdelikte und Untreue neu geregelt
Handelsvertreter-Richtlinie bleibt
Höherer Freibetrag für Mitarbeiterkapitalbeteiligung
 

Alle Angaben auf dieser Website dienen nur der Erstinformation und können keine rechtliche oder sonstige Beratung sein oder ersetzen. Daher übernehmen wir keine Haftung für allfälligen Schadenersatz.