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Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Warum Pharmawerbung mit Studien so schwierig ist

Autorin: Francine Brogyányi

In der an Fachkreise gerichteten Werbung für Arzneimittel spielt die Verwendung von Studien eine wichtige Rolle. Nur so können in der Werbung verwendete medizinische Aussagen ausreichend wissenschaftlich belegt und damit dem Gebot der Zitatwahrheit gemäß § 55 des Arzneimittelgesetzes (AMG) entsprechen. Aus Deutschland kommen rechtliche Klarstellungen, wie dies in der Praxis auszusehen hat.

Denn die österreichische Rechtsprechung ist – wohl mangels einschlägiger zu entscheidender Fälle – diesbezüglich nicht weiter gekommen als festzuhalten, dass Fußnoten und Sternchenhinweise in der Wissenschaft üblich und dem Fachkreis bekannt sind (OGH 28.9.2006, 4 Ob 233/06b). Weil aber das richtige Zitieren von Studien in der Arzneimittelwerbung über die Verwendung eines Sternchenhinweises weit hinausgeht, ist mit solchen Entscheidungen für die Praxis nichts gewonnen. Wichtige Hinweise liefern jährlich die deutschen Gerichte, so etwa im Jahr 2015 mit zwei Entscheidungen, die auch für die österreichische Praxis relevant sind.

„data on file“ als Hinweis irreführend
Ausgangspunkt für diese Entscheidung war die Werbung mit einer unveröffentlichten Studie mit dem Hinweis „data on file“. Hierzu entschied das Oberlandesgericht Köln (6.2.2015, 6 U 110/14), dass die Werbung für Arzneimittel mit einer unveröffentlichten Studie, ohne auf den Umstand der fehlenden Veröffentlichung hinzuweisen, grundsätzlich irreführend ist. Der Hinweis auf die fehlende Veröffentlichung muss so unmissverständlich und eindeutig erfolgen, dass er für den Adressaten der Werbung ohne weiteres wahrnehmbar ist. Der Hinweis „data on file“ genüge dafür nicht, weil dadurch nur besagt werde, dass ein bestimmter „Datenbestand“, nicht aber eine komplette Studie, bei einem Unternehmen verfügbar sei.

Englischsprachige Studien nicht zur Gänze lesbar?
In diesem Fall hatte das beklagte Unternehmen zu Werbezwecken dem Fachkreis eine englischsprachige Studie zur Verfügung gestellt, die im Text – nicht aber in der Zusammenfassung – auf die Nichteinhaltung einer einschlägigen ISO-Norm hingewiesen hatte. Das Oberlandesgericht Hamburg entschied (26.2.2015, 3 U 104/13), dass der aufklärende Hinweis in der Studie nicht ausreichend sei. Es bestehe nämlich die Gefahr, dass der Adressat – selbst dann, wenn ihm die Studie überlassen wird – lediglich die im Blickfang stehende Zusammenfassung zur Kenntnis nimmt. Überdies hob das Gericht hervor, dass die Studie in Englisch verfasst war, was zumindest große Teile des Fachkreises davon abhalten könnte, die Studie zur Gänze durchzulesen (!).

Fazit
Zusammengefasst muss man nach der Lektüre dieser Entscheidungen somit zum Schluss gelangen, dass Ärzte bei Studien nur mehr die Zusammenfassung lesen und auch dann offenbar nur, wenn diese nicht auf Englisch ist. Die werbenden Unternehmen werden sich daher in Zukunft damit anfreunden müssen, dass dem Fachkreis – entsprechend dem allgemein herrschenden Zeitgeist – die vollständige und verständige Lektüre medizinischer Texte offenbar nicht mehr zugemutet werden kann.

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