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Steuerliche Verlustvorträge in Jahresabschlüssen erstmals aktivierbar

Autorin: Martina Znidaric

Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014

Der Ansatz von latenten Steuern sorgt in unternehmensrechtlichen Bilanzen dafür, dass die Vermögenslage eines Unternehmens zutreffend dargestellt werden kann. Verpflichtend war dies im Wesentlichen nur bei künftigen Steuerbelastungen, also dem Ansatz passiver latenter Steuern als Rückstellung. Für künftige Steuerentlastungen, die in der Praxis viel häufiger vorkommen, gab es lediglich ein Wahlrecht, das nicht sehr oft genutzt wurde.

Rückstellungen und Aktivierungen
Nach dem Rechnungslegungsänderungsgesetz 2014 (RÄG 2014) sind nun passive latente Steuern verpflichtend als Rückstellungen anzusetzen und für aktive latente Steuern besteht – für mittelgroße und große Gesellschaften – eine Aktivierungspflicht. Kleine Gesellschaften haben weiterhin ein Aktivierungswahlrecht. Das Gesamtkonzept umfasst den Ansatz von latenten Steuern auf die Differenzen zwischen unternehmensrechtlichen und steuerrechtlichen Wertansätzen von Vermögensgegenständen, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und Rechnungsabgrenzungsposten, die sich in späteren Geschäftsjahren voraussichtlich abbauen (so genannte „temporäre Differenzen“), und die steuerlichen Verlustvorträge.

Steuerlichen Verlustvorträge
Jene Steuerabgrenzung, die aus bestehenden steuerlichen Verlustvorträgen resultiert, soll nun näher dargestellt werden. Sie ist als Wahlrecht ausgestaltet und darf erstmals im Rahmen der neuen Regelungen des RÄG 2014 auf Geschäftsjahre angewendet werden, die nach dem 31.12.2015 beginnen – somit bei Bilanzierung nach Kalenderjahr mit Geschäftsjahr 2016. Zur Umsetzung und Erläuterung der gesetzlichen Bestimmungen gab das Austrian Financial Reporting and Auditing Committee im September 2016 eine Stellungnahme zu latenten Steuern im Jahresabschluss heraus. Demnach kann die Möglichkeit zur Berücksichtigung des steuerlichen Verlustvortrages grundsätzlich entweder zu einer Verrechnung mit passiven latenten Steuern oder zu einem Ansatz aktiver latenter Steuern führen.

Führt die Berücksichtigung zu einer Verrechnung mit passiven latenten Steuern, sind die steuerlichen Verlustvorträge nach der österreichischen Rechtslage jedenfalls in Höhe von 75 % realisierbar. Die Überlegung dahinter ist, dass die zukünftige Steuerbelastung mit dem Verlustvortrag verrechenbar sein und somit tatsächlich nicht eintreten wird.

Steuerplanungsrechnung
Darüber hinaus ist für den Ansatz aktiver latenter Steuern aus steuerlichen Verlustvorträgen nachzuweisen, dass überzeugende substantielle Hinweise dafür vorliegen, dass in Zukunft ein ausreichendes zu versteuerndes Ergebnis zur Verfügung stehen wird. Dieser Nachweis kann in der Regel mittels einer aus der Unternehmensplanung abgeleiteten Steuerplanungsrechnung geführt werden. Bei der Beurteilung, inwieweit eine tatsächliche künftige Verwertbarkeit der Verlustvorträge zu erwarten ist, ist das Vorsichtsprinzip zu beachten.

Im Anhang zum Jahresabschluss ist zu erläutern, auf welchen Differenzen oder steuerlichen Verlustvorträgen die latenten Steuern beruhen. Bei Ansatz aktiver latenter Steuern aus steuerlichen Verlustvorträgen sind auch die substantiellen Hinweise auf ein ausreichendes steuerliches Ergebnis in der Zukunft, die diesen Ansatz rechtfertigen, anzuführen. 

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