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Covid-19 stellt vor allem grenzüberschreitende M&A-Transaktionen vor große Herausforderungen – was gilt es zu beachten?

Datum: 
Freitag, 20. März 2020

Covid-19 stellt vor allem grenzüberschreitende M&A-Transaktionen und laufende beziehungsweise geplante Kapitalmarktdeals vor große Herausforderungen. Sah man in den letzten etwa fünf Jahren im M&A Bereich einen ausgeprägten sogenannten "Verkäufermarkt", in dem es Verkäufern möglich war, relativ hohe Verkaufspreise zu erzielen und verkäuferfreundliche vertragliche Regelungen durchzusetzen, so wird sich das nun rasch ändern. Staatlich verordnete Quarantänen und Reisebeschränkungen wirken sich bereits jetzt negativ auf Due Diligence Prüfungen, Vertragsverhandlungen und Transaktionsabschlüsse aus. Besonders betroffen von Covid-19 sind Branchen, die traditionell besonders starke wirtschaftliche Beziehungen zu von Covid-19 betroffenen Regionen haben, wie insbesondere die Kfz- und Automotive- sowie Zulieferindustrie, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, elektrische Ausrüstungen, Maschinen, Metalle und Natural Resources sowie Nahrungs- und Futtermittel.

Die im Zusammenhang mit Covid-19 zuletzt aufgetretenen dramatischen Kurseinbrüche an den heimischen und internationalen Börse- und Kapitalmärkten stellen große Herausforderungen für laufende und geplante Kapitalmarkttransaktionen dar. Die im Zusammenhang mit Covid-19 seit 18.3.2020 von der österreichischen Finanzmarktaufsicht verordnete Beschränkung von Leerverkäufen von bestimmten Finanzinstrumenten in einer Ausnahmesituation (Verbot von Leerverkäufen und wirkungsgleichen Transaktionen), die verhindern soll, dass Wetten gegen einzelne Aktientitel zu noch stärkerem Kursverfall beitragen, hat einen nicht unwesentlichen Einfluss auf den Handel und die Liquidität an der Wiener Börse und auch außerhalb des heimischen Handelsplatzes ("over the counter").

Übersicht

Fragen und Antworten:

M&A Transaktionen am Prüfstand

Grundsätzlich ist in der derzeitigen Situation zu unterscheiden, ob sich eine M&A Transaktion in der (i) Pre-Signing Phase oder (ii) in der Phase zwischen Signing und Closing befindet.

Was ist in der M&A Pre-Signing Phase zu beachten?

Für den Fall der Pre-Signing Phase ist zu erwarten, dass Covid-19 verbreitet dazu führt, dass Käufer im Zuge der Re-Evaluierung eines Deals innehalten und grundlegende Aspekte grenzüberschreitender Transaktionen überdenken. Häufig sind MOUs beziehungsweise LOIs als nicht rechtsverbindliche Dokumente ausgestaltet, sodass mit Ausnahme von vorvertraglichen culpa in contrahendo Aspekten Käufer in der Regel relativ frei sind zu entscheiden, ob sie die Transaktion weiter verhandeln wollen oder nicht. Dabei werden neben der aktualisierten Prüfung des eigenen Geschäftsmodells des Käufers und dessen Liquiditätsplanung und Kursentwicklung (insbesondere bei Share for Share Transaktionen) hinsichtlich des Zielunternehmens/Targets folgende Aspekte eine Rolle spielen:

  • Macht es unter den gegebenen Umständen zurzeit überhaupt Sinn, die Transaktion weiter zu verfolgen beziehungsweise ist der ins Auge gefasste Kaufpreis auf Grund von historisch hohen Bewertungen (wesentlich) anzupassen? Passt der "strategische Fit" des Käufers mit dem Zielunternehmen unter den gegebenen Umständen überhaupt noch?
  • Wie ist das Target durch Covid-19 und die außerordentliche Situation in den Ländern, in denen die Zielunternehmen tätig ist, betroffen? Gibt es beim Zielunternehmen Gewinnwarnungen, Kurseinbrüche, etc?
  • Sind wesentliche Kunden und Lieferanten des Zielunternehmens negativ beeinträchtigt, sodass das Geschäftsmodell des Zielunternehmens betroffen oder sogar in Frage gestellt wird (Stichwort Unterbrechung der Supply Chain, Lieferengpässe, etc)?
  • Wie können sich Reisebeschränkungen negativ auswirken?

Diese Themen haben in einem ersten Schritt Geschäftsführung bzw Vorstand des Käufers für sich zu beantworten. In der Folge wird aber auch der Aufsichtsrat des Käufers, sofern dessen Zustimmung für eine Transaktion erforderlich ist, entsprechende Information und Absicherungen möglicher Risiken in der vertraglichen Dokumentation einfordern, sodass sich Unternehmenskaufverträge strukturell nunmehr sehr rasch zugunsten der Käufer ändern werden: Grundsätzliche Anpassungen des Garantie- und Gewährleistungskatalogs sowie Specific Indemnities werden ebenso unerlässlich sein wie solide durchdachte MAC-Klauseln und Closing Bedingungen, die den Käufer unter den geänderten Umständen bestmöglich schützen. Break-up Fees zugunsten des Verkäufers werden schwieriger zu verhandeln sein.

Sofern für die Durchführung einer Transaktion auch öffentliche Hauptversammlungsbeschlüsse erforderlich sind (beispielsweise Beschlüsse über Kapitalmaßnahmen, Zusammenschluss- oder Spaltungsbeschlüsse oder andere Umgründungsschritte), werden sich Vorstand und Aufsichtsrat auf bohrende Fragen der beschließenden Aktionäre einstellen müssen. Zudem wird sich im Sinne der Transaktionssicherheit die Frage stellen, ob im Lichte von Covid-19 im Einzelfall die für die Transaktionen erforderlichen Publikumshauptversammlungen überhaupt rechtswirksam stattfinden können, weil beispielsweise die Anwesenheit einer gewissen Anzahl von Aktionären bei der Hauptversammlung überschritten wird. Die Frage der rechtswirksamen Durchführung von Publikumshauptversammlungen stellt sich übrigens nicht nur bei transaktionsbezogenen (außerordentlichen) Hauptversammlungen, sondern generell auch für sämtliche ordentliche Hauptversammlungen börsennotierter Gesellschaften - in Österreich steht die Hauptversammlungssaison ja praktisch vor der Tür! Können in den USA physisch abgehaltene Hauptversammlungen de facto leicht abgewendet werden (Warren Buffett verwies soeben seine Berkshire Aktionäre auf Proxy Votings), so ist dies in Österreich zurzeit rechtlich nicht möglich. Kreativität ist somit gefragt: Das Unternehmen Palfinger bat seine Aktionäre beispielsweise jüngst, nicht physisch zu seiner Hauptversammlung zu erscheinen, sondern sich per Vollmacht vertreten zu lassen, um den derzeit in Österreich geltenden einhundert Personen Schwellenwert bei Inhouse Versammlungen nicht zu überschreiten. Auch das Unternehmen Andritz schlug zunächst diesen Weg ein, hat mittlerweile aber seine Hauptversammlung abgesagt. Das Fragerecht der Aktionäre in Hauptversammlungen leidet dadurch naturgemäß, und es bleibt abzuwarten, wie sich Aktionäre hier verhalten werden.

Diese Herausforderungen an Gesellschafterversammlungen in Zeiten von Covid-19 haben mittlerweile auch den österreichischen Gesetzgeber auf den Plan gerufen. Die gesetzlichen Vorschriften in Österreich gehen ja grundsätzlich von einem physischen Zusammentreffen der Gesellschafter aus, das in Zeiten einer Pandemie jedoch, wie oben ausgeführt, häufig nicht möglich ist. Durch den Einsatz technischer Kommunikationsmittel – zu denken ist hier insbesondere an qualifizierte Videokonferenzen – soll eine vergleichbar qualitätsvolle Willensbildung auch ohne Durchführung einer Präsenzversammlung möglich sein. Der österreichische Gesetzgeber möchte daher, zumindest temporär, eine gesetzliche Grundlage für solche virtuellen Versammlungen und andere Formen der Willensbildung (zB schriftliche Abstimmungen) schaffen. Gleichzeitig soll die Frist zur Abhaltung von ordentlichen Hauptversammlungen einer Aktiengesellschaft von acht auf zwölf Monate innerhalb des Geschäftsjahres der betreffenden Gesellschaft erweitert werden. Eine entsprechende Gesetzesänderung soll in Österreich in aller Kürze beschlossen werden und in Kraft treten (Erläut 397/A XXVII. GP).

Insgesamt zeigen sich vielschichtige Hürden in der Pre-Signing Phase von M&A Transaktionen. Nach unserer Einschätzung werden Deals jedenfalls häufig verschoben oder letztlich abgesagt, in jedem Fall aber hinsichtlich ihrer Deal-Architektur modifiziert werden.

Revival von Distressed M&A Deals? Schlägt die Stunde der Finanzinvestoren oder gewinnen auch strategische Käufer in einer Phase der Marktkonsolidierung?

Auf der anderen Seite ist kurzfristig von einem (beachtlichen) Anstieg von neuen Distressed M&A Transaktionen zu rechnen, bei denen erfahrene Käufer, Finanzinvestoren sowie krisenfeste strategische Käufer, bevorzugt jene Unternehmen zu günstigen Bewertungen erwerben werden, die auf Grund von Auswirkungen von Covid-19 - trotz staatlicher Unterstützungspakete - in wirtschaftliche Schieflage geraten sind. Es bleibt abzuwarten, ob hier rasch agierende und global tätige Finanzinvestoren, die über Capital Calls kurzfristig auch sehr hohe Kaufpreisvolumina – selbst ohne Leverage – bereitstellen können, die Nase vorne haben werden, oder ob doch, zumindest in einzelnen Marktsegmenten, die Stunde jener strategischen Käufer schlägt, denen es gelingt, unter Druck geratene Mitbewerber zu kaufen und so eine Marktkonsolidierung in ihrem (lokalen) Industriesegment herbeizuführen. Maßgeschneiderte Refinanzierungen samt Hair Cuts bei bestehenden Finanzierungen der Distressed Targets sowie die Berücksichtigung von insolvenzrechtlichen Aspekten werden bei solchen Transaktionen ebenso eine Rolle spielen wie auch die Einschätzung der kurz- und mittelfristigen Entwicklung der internationalen Finanzmärkte wie auch der Realwirtschaft, insbesondere im betroffenen Segment.

Kurse im freien Fall – steht uns ein neuer Boom von Public Takeover Transaktionen ins Haus?

Aufgrund der dramatischen Kursverfälle ist aber auch mit einer deutlich zunehmenden Zahl von (versuchten) öffentlichen Übernahmeangeboten auf börsennotierte Zielunternehmen zu rechnen. Besonders verwundbar sind hier naturgemäß Targets mit großem Free-Float und ohne stabilisierende Kernaktionärsbasis. Auch feindliche und konkurrierende Übernahmeangebote, die nicht die Unterstützung des Managements des Zielunternehmens haben, sind dabei nicht auszuschließen. Besonders betroffen sind hier vor allem Branchen, bei denen schon lange bestehende strukturelle Probleme aufgrund der aktuellen Krise weiter verschärft und auch zu weiteren dramatischen Kursverlusten an den Börsen führen werden. In jedem Fall wird eine Zunahme solcher Public Takeover Transaktionen auf Grund einer Reihe von herausfordernden praktischen und gesellschaftsrechtlichen Gegebenheiten auf Ebene potentieller Käufer wie Zielunternehmen sehr erfahrene und professionelle Unterstützung benötigen. 

Gibt es Möglichkeiten, aus einem bereits unterschriebenen Deal noch auszusteigen?

Gänzlich anders stellt sich die Situation bei Transaktionen dar, in denen die Transaktionsverträge bereits vor Ausbruch der "Corona Krise" unterschrieben worden sind und wo man sich in der Periode zwischen Signing und Closing befindet. Hier ist genau zu prüfen, ob für den Käufer Möglichkeiten bestehen, über MAC-Klauseln im Vertragswerk, Force Majeure Argumente oder der Behauptung des Wegfalls der Geschäftsgrundlage aus dem bereits unterschriebenen Deal noch auszusteigen oder die Bedingungen der Transaktion, insbesondere die Höhe des Kaufpreises, anzupassen. Schließlich will sich kein Käufer von seinen Gesellschaftern vorwerfen lassen, eine Zielgesellschaft überteuert gekauft zu haben. Unternehmenskäufe, bei denen der Käufer mit eigenen notierten Aktien bezahlt sowie bei Share for Share Transaktionen gelten wegen der dramatischen Kursverfälle der letzten Tage an den internationalen Kapitalmärkten ohnedies völlig neue ökonomische Parameter. Der dramatische Ölpreisverfall führte zuletzt auch zu ähnlichen Fragen im M&A Sektor der Oil und Oil-Related Industry.

Selbstverständlich ist bei allen oben genannten Fällen stets auf die Besonderheit der konkreten Transaktion und des bestehenden Vertragswerks zu achten. Die vorliegenden Ausführungen sind daher bloß genereller Natur und können die konkrete Beratung im Einzelfall nicht ersetzen.

Worauf ist bei Börse- und Kapitalmarkttransaktionen zu achten?

Auf Grund der turbulenten letzten Tage an praktisch sämtlichen Börsen der Welt haben sich die Rahmenbedingungen für Kapitalmarktransaktionen deutlich verändert. Insbesondere in den Risikofaktoren von Börseprospekten finden sich nunmehr umfangreiche Ausführungen zu Covid-19 und dessen Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle der Emittenten. Auch die Gestaltung von Übernahmeverträgen zwischen Emittenten und Emissionsbanken, Legal Opinions und Comfort Letter werden in Zukunft den geänderten Umständen Rechnung tragen. In Zeiten wie diesen zeigt sich, wie schnell aus ursprünglich als Discounted Deal strukturierten Kapitalmarkttransaktionen plötzlich de facto at Markets Transaktionen werden können. Bei Transaktionen, die vor Ausbruch der "Corona Krise" gelauncht worden sind, stellen sich insbesondere Fragen, wie weit gesetzliche Zeichnungs- beziehungsweise Bezugsfristen verlängert werden können, ob es möglich ist, Bezugspreise oder Preisbänder anzupassen oder ob bei der Übernahmepflicht von neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung durch Emissionsbanken übernahmerechtliche Verpflichtungen – bis zu Pflichtangeboten – ausgelöst werden. Bei noch nicht gelaunchten, sondern noch in Planung befindlichen Kapitalmarkttransaktionen, bei denen auf kein bereits bestehendes ausreichendes genehmigten Kapital zurückgegriffen werden kann, stellen erforderliche Hauptversammlungsbeschlüsse aus den oben genannten praktischen Gründen beachtliche Herausforderungen dar. Aktienrückkaufprogramme müssen unter den geänderten Marktbedingungen einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Das Verbot von Leerverkäufen an der Wiener Börse wird bis auf weiteres Auswirkungen auf die Liquidität der dort gehandelten Aktien haben.

Was gilt es bei M&A Due Diligence Prüfungen zu beachten?

Reiseverbote, Quarantänen und Betriebsunterbrechungen beeinträchtigen den täglichen Geschäftsbetrieb von Unternehmen massiv. Davon betroffen sind auch Inspektionen vor Ort und persönliche Management-Sitzungen im Rahmen einer Due Diligence Prüfung. Derzeit ist zu beobachten, dass Käufer mit ihren Kaufentscheidungen zuwarten, bis die Besichtigungen vor Ort abgeschlossen und die Auswirkungen von Covid-19 auf das Geschäft des Zielunternehmens besser abgeschätzt werden können.

Aus Käufersicht empfiehlt es sich hier, Fragebögen an Verkäufer zu entwickeln, die eine konkrete rechtliche und wirtschaftliche Evaluierung der mit Covid-19 verbundenen Risiken ermöglichen. In diesem Zusammenhang sollte insbesondere darauf geachtet werden, ob und wie die wesentlichen kommerziellen Verträge des Zielunternehmens ein allfälliges Leistungsversagen aufgrund eines Ereignisses wie Covid-19 abdecken und wie sich dies auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Zielunternehmens auswirken kann. Auch sollte auf das Krisenmanagement beim Zielunternehmen besonderes Augenmerk gelegt werden, insbesondere in Hinblick auf die Effektivität bereits ergriffener Maßnahmen.

Worauf sollte der Käufer bei den M&A Vertragsverhandlungen achten?

Der Käufer sollte auf die Aufnahme von Bestimmungen im Kaufvertrag bestehen, die auf die mit Covid-19 verbundenen Risiken konkret eingehen. Hierzu können sowohl Gewährleistungen, die bestimmte Eigenschaften des Zielunternehmens ausdrücklich zusichern, als auch Freistellungen, die einen Risikoausgleich in Bezug auf bereits konkret identifizierte Risiken (wie etwa eine wesentliche Unterbrechung der Lieferkette) vorsehen, zielführend sein. Darüber hinaus sollten Kaufpreismechanismen erwogen werden, die der derzeit bestehenden Unsicherheit besser Rechnung tragen als etwa Modelle mit einem bloß fixen Kaufpreis. Hier ist beispielsweise an sogenannte Earn-Out Klauseln zu denken, die die Auszahlung zumindest eines Teils des Kaufpreises an die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Zielunternehmens knüpfen.

Als wohl wichtigste Vorkehrung sollte der Käufer auf eine umfassende Möglichkeit zum Exit bestehen, sollte es zwischen Unterzeichnung (Signing) und Vollzug (Closing) des Unternehmenskaufvertrages zu einer wesentlichen Verschlechterung der Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage beim Zielunternehmen kommen. Hier bieten sich aus der anglo-amerikanischen Vertragspraxis stammende MAC (Material Adverse Change) Vertragsklauseln an. Derartige Bestimmungen sind in den Unternehmenskaufverträgen häufig als aufschiebende Bedingungen ausgestaltet. Treten in der Zeit zwischen Signing und Closing bestimmte von den Parteien vorab festgelegte wesentliche Umstände ein, kommt der Vertrag nicht wirksam zustande bzw können die Vertragsparteien Rücktrittsrechte ausüben.

Die vertragsrechtliche Herausforderung bei der Formulierung von MAC-Klauseln besteht zumeist darin, eine möglichst präzise Definition der von den Vertragsparteien gewollten Wesentlichkeitsschwelle zu finden. Zu beachten ist freilich auch, dass sowohl österreichische Gerichte als auch die internationale Spruchpraxis insbesondere bei Schiedsverfahren bei der Prüfung der Wirksamkeit von MAC-Klauseln tendenziell strenge Maßstäbe anlegen. Das gilt insbesondere, wenn sich der Anwendungsbereich von MAC-Klauseln (auch) auf Umstände bezieht, die erst nach Closing der Transaktion eintreten. MAC-Klauseln müssen daher mit großer Sorgfalt formuliert werden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie im Streitfall von (Schieds-)Gerichten nicht akzeptiert werden.

Worauf sollte der Verkäufer bei den Vertragsverhandlungen achten?

Der Verkäufer wird im Sinne der Transaktionssicherheit danach trachten, dass Ereignisse wie Covid-19, die regelmäßig außerhalb seiner Einflusssphäre liegen, keine bzw möglichst geringe nachteilige Auswirkungen auf seine vertragliche Position haben. Zwar werden sich im Zusammenhang mit Covid-19 zusätzliche Gewährleistungen und Haftungsfreistellung zu Gunsten des Käufers derzeit oft nicht vermeiden lassen. Der Verkäufer sollte jedoch jedenfalls versuchen, das daraus resultierende wirtschaftliche Risiko durch diverse zulässige Haftungsbeschränkungen, wie etwa Haftungshöchstbeträge, Freibeträge und Mindestschwellenwerte, auf ein für ihn wirtschaftlich zumutbares Maß zu begrenzen. In Bezug auf allfällige MAC-Klauseln sollte der Käufer darauf achten, dass deren Anwendungsfälle möglichst genau festgelegt werden. Um eine missbräuchliche Anwendung solcher Vertragsbestimmungen durch den Käufer möglichst hintanzuhalten, sollte der Verkäufer auf eine angemessene Break-up Fee bestehen. Dadurch kann einem ungerechtfertigten Exit des Käufers durch Berufung auf einen angeblichen MAC wirksam vorgebeugt bzw entgegengetreten werden.

Wird es schwieriger, regulatorische Bewilligungen für M&A Deals zu bekommen?

In Österreich ist die Bundeswettbewerbsbehörde bemüht, die Einbringung von Zusammenschlussanmeldungen auf elektronischem Wege zu ermöglichen. Es läuft derzeit in Zusammenarbeit mit dem Bundeskartellanwalt ein eingeschränkter Probebetrieb. Es wird gebeten, vor einer Einbringung einer dringenden Zusammenschlussanmeldung ausnahmslos die BWB vorher zu kontaktieren. Gleichzeitig soll in Kürze eine Gesetzesänderung beschlossen werden und in Kraft treten, mit der die Fristen für die Prüfungsanträge von Zusammenschlussanmeldungen auf die aktuelle Situation angepasst werden sollen. Zusammenschlussanmeldungen sind in heikleren Fällen üblicherweise mit Verhandlungen über Auflagen verbunden. Außerdem sind die Komplexität der Materie und der oft umfangreiche Akteninhalt mit Vertretungen oder mit erkrankten Verfahrensbeteiligten schwer in Einklang zu bringen. Die Behandlung von Zusammenschlüssen soll daher möglichst auf die Zeit nach der Pandemie verschoben werden (Erläut 397/A XXVII. GP).  

Die Europäische Kommission fordert Unternehmen auf, Zusammenschlussanmeldungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, soweit dies möglich ist. Es wird erwartet, dass die Pränotifizierungsphase länger als gewöhnlich dauert. 

Bei beaufsichtigten Unternehmen (insbesondere Banken, Versicherungen und Wertpapierfirmen) ist generell damit zu rechnen, dass die Aufsichtsbehörden in der aktuellen Lage ein besonderes Augenmerk auf die finanzielle Solidität des Erwerbers legen und Business-Pläne genau prüfen werden. Da die Schwerpunktsetzung der Aufsicht in nächster Zeit in der Aufrechterhaltung der Stabilität des Finanzsystems liegen wird, sind auch hier längere Verfahrensdauern einzuplanen. Anderes wird natürlich besonders bei Akquisitionen gelten, die der finanziellen Stärkung eines Zielunternehmens in Schwierigkeiten dienen.

Akquisition von Unternehmen mit strategischer Bedeutung durch ausländische Investoren – was ist zu beachten?

Ein besonderes Augenmerk wird auch auf die behördliche Praxis bei der außenwirtschaftlichen Investitionskontrolle zu richten sein. Hier hat jüngst der angebliche Versuch von US-Präsident Trump aufhorchen lassen, die Rechte an einem Corona-Impfstoff, den derzeit ein deutsches Forschungsunternehmen mit Hochdruck entwickelt, exklusiv für die USA sichern zu wollen. Nach dem österreichischen Außenwirtschaftsgesetz ist eine Untersagung des Erwerbs von Unternehmen, Unternehmensbeteiligungen und beherrschenden Einflüssen durch ausländische (Nicht-EU) Investoren nicht ausgeschlossen, sobald öffentliche Ordnung oder Sicherheit gefährdet sind. Davon betroffen sind vor allem strategische Sektoren wie Energie, Telekommunikation, Infrastruktur, Gesundheit sowie Verteidigung und Sicherheit. Ausländische Investoren, die daher mit dem Gedanken spielen, in wirtschaftliche Schieflage geratene österreichische Unternehmen oder Beteiligungen mit strategischer Bedeutung zu erwerben, sind daher gut beraten, professionelle Unterstützung bei der Einholung einer staatlichen Sondergenehmigung zu suchen.

Worauf sollte man bei Börse- und Kapitalmarkttransaktionen achten?

Risikofaktoren und andere Teile des Prospekts müssen den geänderten Bedingungen Rechnung tragen. Insbesondere Übernahmeverträge haben im Interesse der Emissionsbanken die Covid-19 Situation zu berücksichtigen. Für Emittenten stellen anstehende Hauptversammlungen eine große Herausforderung dar. Eine sorgfältige und umsichtige Vorbereitung solcher Hauptversammlungen, die auch die geänderten Umstände berücksichtigt, ist noch wichtiger als schon bisher.

Ihre Ansprechpartner:

Andreas Mayr
Leiter der Praxisgruppe M&A 
T +43-1-533 4795-64
andreas.mayr@dorda.at

Oliver Thurin
Experte M&A
T +43-1-533 4795-64
oliver.thurin@dorda.at

 



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